Überlegungen zu den sozialen Unruhen in Spanien und deren revolutionärem Gehalt
Seit den Geschehnissen um den arabischen Frühling scheint es nicht ruhiger zu werden auf den Plätzen und Straßen weltweit. Die sozialen Unruhen im gesamten arabischen Raum kommen bis jetzt nicht zum Erliegen; das Gegenteil ist der Fall: in Ägypten strömen die Menschen erneut gegen die derzeitige Übergangsregierung des Militärrats auf den Tahrir-Platz, in Lybien finden die militärischen Auseinandersetzungen mit den Gaddafitreuen kein Ende und auch in Syrien bahnt sich keine Lösung der Volksaufstände an. Symbolträchtigster Ort dieser unvorhergesehenen Entwicklungen ist der Tahrir Platz in Kairo.
Wohlwollend berichteten westliche Medien über die damaligen Entwicklungen. Boten sie doch eine fabelhafte Gelegenheit zum Anpreisen parlamentarisch demokratischer Zustände im Westen. Denn ganz selbstverständlich war das erste Kriterium nach dem bei den aufkommenden Unruhen gefragt wurde: „Habt ihr denn eine funktionierende Demokratie?“ Freilich gibt es an diesen diktatorischen Regimen und den damit verbundenen unfreieren Lebensumständen nichts zu beschönigen. Doch ist es zu bezweifeln, dass etwa nach drei Jahrzehnten der Herrschaft Mubaraks die Menschen plötzlich aus dem nichts in Massen ihren revolutionären Geist gegen ihn entdeckt hätten. Zumindest gab es zuvor keine außerordentliche Zunahme der Repression, welcher als Erklärung herhalten hätte können. Demgegenüber gab es allerdings eine Verschärfung der sozio-ökonomischen Verhältnisse. So setzte der Bevölkerungsanstieg den Arbeitsmarkt und die regionale Lebensmittelproduktion unter Druck, gleichzeitig stiegen weltweit die Nahrungsmittel- und Energiepreise. Fraglich ist daher ob die westliche Argumentation von Demokratiebestrebungen tatsächlich die entscheidenden Grundlagen für die sozialen Unruhen des arabischen Frühlings ist.
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